Frag Flo: Die Sache mit der Prokrastination beim Arbeiten von zu Hause

Vergangene Woche erhielt ich eine extrem gute Frage zum Thema “Prokrastination” für meine Artikelserie “Frag Flo“. Ich würde sagen, dass es mitunter eine der besten Fragen war, die ich je erhalten habe. Sie passt ja auch direkt zum Thema das Lifestyle-Design. Auf der anderen Seite war es auch eine der schwierigsten Fragen überhaupt. Und sie lautete wie folgt:

Mario schrieb:

“Hallo Flo, ich möchte Dich gerne einmal Fragen, wie Du zu dem Thema Prokrastination und Selbstdisziplin stehst. Ich arbeite seit Jahren selbstständig von zu Hause und hatte auch einige Webseiten zu verschiedenen Themen. Doch ich habe diese nach und nach alle aufgegeben.

Derzeit betreibe ich keine Webseiten mehr. Meine Frau war nicht so sehr davon begeistert und ich solle doch lieber einem ordentlichen Beruf nachgehen. Ich habe mich dann als Immobilienmakler versucht, aber das ist nicht meine Welt. Ich möchte wieder zurück zum Arbeiten von zu Hause aus. Geld verdienen mit Webseiten.

Jetzt zu meinem Problem:  in letzter Zeit verschiebe ich bestimmte Dinge immer wieder und erledige Sie einfach nicht. Beispielsweise habe ich mir seit Jahren vorgenommen, meinen eigenen Online Shop auf die Beine zu stellen. Doch bis Heute habe ich mich nicht dazu durchringen können. Es fehlt mir einfach an Informationen und ich habe Angst vor Klagen von Konkurrenten, Abmahnungen, etc.!

Ich habe mir bereits mehrere Bücher zu diesem Thema gekauft und arbeite daran. Doch mich plagt oft das schlechte Gewissen, weil ich mehr tun könnte und eigentlich doch recht faul bin. Meistens tue ich gar nichts und mache stattdessen lieber andere Sachen. Ich ertappe mich fast jeden Tag dabei, wie ich andere Dinge mache, nur nicht dass was ich mir vorgenommen habe.

Ich lese Deine Webseite jetzt schon seit einigen Wochen (auch oft anstatt meine Arbeit zu tun) und könnte mir denken, dass Du vielleicht einige Tipps für mich hast.

Grüße Mario”

Was findet man in diesem Artikel?

  1. Was ist Prokrastination?
  2. Arbeiten von zu Hause will überlegt sein
  3. Motivationsgründe schaffen
  4. 3 Schritte zur “De-Prokrastination”
  5. Was würde Flo tun?
  6. Weitere TV- und Buchtipps zu diesem Thema

Was ist Prokrastination?

Ja… es bedeutet nichts anderes als dass wir unsere Arbeiten immer wieder aufschieben. Der Eintrag bei Wikipedia beschreibt es sehr schön. Es ist das Problem, dass wir Dinge, die wir erledigen wollen, einfach hinten anstellen. Und das obwohl wir sie ständig für wichtig erachten und wir selbst wissen, dass sie wichtig sind. Dennoch geben wir unserer natürlichen Faulheit oft nach und machen dann etwas anderes, etwas einfacheres oder einfach gar nichts. Eine Erledigungsblockade also.

Arbeiten von zu Hause will überlegt sein

Arbeiten von zu Hause ist nicht gerade leicht. Ganz und gar nicht. Vor allem, wenn man anfängt, direkt als Student (so wie ich damals) in die Selbständigkeit einzusteigen. Wir hatten keine Kunden, keine guten geschäftlichen Kontakte und im Grunde glaubten wir “nur” an uns selbst. Aber dazu später mehr.

Wenn man von zu Hause arbeiten will, dann braucht man allen voran erst einmal ein Ziel. Ohne Ziel gibt es keinen Erfolg. Deshalb sage ich immer wieder folgendes: Stellt euch selbst immer wieder die gleichen Fragen. Und zwar:

  • Was ist Erfolg für mich?
  • Was will ich erreichen? Und wann?
  • Wie viel Geld will ich verdienen? Und wann?
  • Wann bin ich glücklich?
  • ….

Diese Fragestellungen könnte man noch ein wenig fortsetzen. Aber ich denke es ist klar, um was es hier in erster Linie geht. Man muss sich klar machen und zwar bevor man sich selbständig macht, von zu Hause arbeitet oder irgend etwas anderes anfängt, was man überhaupt erreichen will.

Motivationsgründe schaffen

Natürlich ist es blöd, wenn die eigene Freundin, der Freund oder sogar die Frau oder die Eltern sagen, dass man lieber einer “richtigen Arbeit” nachgehen soll. Aber hier geht es schon los. Was ist denn eine “richtige Arbeit”? Warum sollte man diesen Rat befolgen? Was ist, wenn man dann gar nicht glücklich ist? Warum sollte man das tun, was 99% der Menschheit tut, wenn man gar nicht will?

Ich sage nicht, dass man sich die Freiheit nehmen sollte, einfach nichts zu tun. Das ist ja ggf. auch nicht richtig. Aber man sollte zumindest etwas finden, was man gern tut. Und bei mir (und bei dir Mario) sind es eben “Websites”. Bei Chris Ducker, den ich kürzlich erst interviewt habe, sind es Startups. Er mag es einfach, Startups aufzubauen. Ja… warum nicht? Hört sich für den einen oder anderen total verrückt an. Aber so ist die Welt. Nicht jeder ist gleich und das ist auch gut so. Sonst würde jeder den gleichen Tee trinken und mein Teeladen hätte nur eine Sorte Tee :-)

Im Interview habe ich Chris Ducker fast ziemlich die selbe Frage gestellt, die du mir gestellt hast. Denn ich höre von diesem Problem nicht zum ersten Mal. Zumal es ja auch mich selbst betrifft: Was kann man machen, wenn niemand an mich glaubt?

Wie Chris Ducker geantwortet hat, kann man im Video ab der 33 Minute nochmal ansehen (direkt zur 33 Minute springen). Aber schon vorweg: Klar ist es um ein vielfaches einfacher, wenn der eigene Partner sagt: “Hey, du machst tolle Sachen. Weiter so!”. Aber das ist nicht die Regel.

Man sollte endlich anfangen seine eigenen Träume zu leben anstatt die Wünsche der anderen zu erfüllen.

3 Schritte zur “De-Prokrastination”

Prokrastinationsgründe

Prokrastinationsgründe

Es braucht eine von drei Dingen um der ständigen “Aufschiebung” zu verfallen.

  • Kontraproduktivität
  • keine Notwendigkeit
  • Verzögerung

Keine Notwendigkeit

Was ist der Grund?

Ich habe gelesen, dass man das ständige Aufschieben auch “Studentenkrankheit” nennt. Das ist zwar etwas böse, aber ich kann verstehen, warum. Viele Schüler wissen nicht, wofür sie etwas lernen müssen. Beispiel: Ich hatte im Studium eine ganze Menge Elektrotechnik. Obwohl ich Medientechnik studiert habe. Für mich war nicht klar, wofür ich das später brauchen würde. Meine Ziele waren ja auch ganz anders gelegt. Und natürlich: für jemanden, der später etwas in diese Richtung machen will, der braucht diese Fächer. Wie oben genannt: Jeder Mensch ist anders.

Das heißt: Wenn man nicht weiß, wofür man etwas macht und/oder lernen muss. Dann schweift man zwangsläufig ab. Dann surfen wir im Internet, spielen uns mit unseren iPhones oder schauen nach, was die Freunde bei Facebook treiben.

Was ist das Ziel?

  • Was kann ich meiner Freundin sagen, damit sie besänftigt ist?
  • Warum kann ich bestimmte Dinge nicht erreichen, wenn ich ein Arbeitnehmer wäre? Was ist der Grund dafür?
  • Warum denken alle, dass man das gleiche tun soll wie alle anderen? Warum kann und darf ich nicht “anders” sein?
  • Manchmal wünscht man sich vielleicht genau das: “Normal” zu sein (wie immer man das definiert). Aber das ist nicht so. Man sollte der sein, der man ist. Es gibt keine anderen Alternativen. Es gibt nur den eigenen Weg. Und den sollte man verfolgen bis man am Ziel ist!

Kontraproduktivät

Was ist der Grund?

Überforderung ist ein gutes Stichwort in unserer Zeit und passt sehr wohl zum Thema Prokrastination. Auch der Begriff Burn-Out passt relativ gut in dieses Schema. Ich spreche aus eigener Erfahrung: Zu viel auf einmal bringt nichts. Ich habe am eigenen Leibe im vergangenen Sommer erfahren müssen, dass Stress, viel Arbeit, hohe Anforderungen von Kunden und so weiter den Körper in die Knie zwingen können.

Aber auch Perfektion ist ein Problem, von dem ich sehr oft betroffen bin. Wenn das Layout einer Website nicht Pixelgenau passt, dann muss das repariert werden! Und wenn es zwei Stunden dauert! = Kontraproduktiv. Man muss lernen, dass es so nicht gehen kann.

Was ist das Ziel?

Zum Arbeiten von zu Hause gehört auch, dass man ein eigenes Zeitmanagement hat. Wann mache ich was? Und wann höre ich auf? Das sind ganz entscheidende Dinge in der Selbständigkeit, die aber ein Außenstehender nicht sieht. Beispiel: Arbeitnehmer müssen sich in der Regel nicht um Aufträge kümmern oder um ihre Arbeitszeiten. Sie kommen und gehen.

Verzögerung

Was ist der Grund?

Unsere Arbeit wird unnötig verzögert. Zum Beispiel durch Langeweile, Antriebslosigkeit aber auch Ängste. Wir haben das Gefühl, dass wir nicht weiter kommen. Wir fürchten uns davor, dass alles schief gehen könnte (wie oben genannt, z.B. die Abmahnungen). Wir fürchten uns vor Auseinandersetzungen, weil wir nicht gelernt haben, wie wir uns richtig auseinandersetzen und so weiter (TV-Tipp an dieser Stelle: Sabine Asgodom im Bayerischen Rundfunk)

Was ist da Ziel?

Lernen, lernen, lernen. Klar ist man ängstlich und klar gehen Dinge auch hin und wieder schief. Aber wenn man verinnerlicht hat, dass das Leben einfach so ist, dann ist es um einiges erträglicher. Ihr solltet das Buch “Fuck it” lesen. Lasst euch einfach mal richtig am Arsch lecken vom Leben. Dann geht vieles einfacher (Sorry, wenn das etwas krass ausgedrückt ist :-) )

Man muss lernen, wie man mit diesen Dingen umgeht. Und es ist sicherlich nicht leicht. Aber wie leicht kann es schon sein, wenn man seinen eigenen Traum erfüllen will? Warten bis der Traum irgendwann Wirklichkeit wird? Von alleine? Das passiert mit Sicherheit nicht. Man muss es einfach tun… und zwar jetzt!

Was würde Flo tun?

Mario. Ich bin nicht du, deswegen kann ich auch nicht aus deiner Sicht sprechen. Ich kann dir allerdings sagen, was ich tun würde.

  1. Schreibe dir zuerst ein Ziel auf. Was willst du erreichen? Einen erfolgreichen Onlineshop betreiben? Wenn ja, wie erfolgreich soll er werden? 1000 Artikel pro Tag verschicken? Was willst du verkaufen?
  2. Schreibe dein Ziel auf einen Zettel und hänge ihn dir dort auf, wo du ihn täglich sehen kannst. Z.B. “Ich will der Weltmarktführer für Edelstahllenker für Fahrräder werden”… (oder so :-) )
  3. Nimm dir einen weiteren Zettel und schreibe auf was nötig ist, um einen Onlineshop aufzusetzen. Dabei ist unwichtig ob die Punkte so korrekt sind. Schreibe auf, was du denkst. Zum Beispiel:
  4. Recherchiere, was du benötigst um diese Dinge auf deinem Zettel umzusetzen.
  5. Eigene dir das Wissen an, das du brauchst. Weißt du: Das tolle ist ja gerade, dass wir in einer Welt leben in dem Wissen auf Knopfdruck vorhanden ist.
  6. Lese sehr viel über Menschen die es geschafft haben. Buchempfehlungen findest du direkt auf meiner Website. Du kannst dir manchmal unglaubliche Dinge abgucken. Vor allem aber ist folgender Punkt wichtig:
  7. Suche dir Motivation. Wenn du keine Motivation von deiner Freundin bekommst, dann hol sie dir im Internet. Gründe eventuell eine Mastermind-Gruppe mit Gleichgesinnten, die auch gerade einen Onlineshop eröffnen möchten. Ihr könnt euch austauschen und euch gegenseitig helfen.
    Oder schaue dir TV-Sendungen wie “Die Auswanderer” an. Auch wenn du nicht auswandern willst. Die meisten machen sich irgendwie selbständig. Man kann von deren Fehlern lernen. Alternativ wäre auch Verhökert – Ein Broker dealt sich um die Welt einen Blick für dich wert.
  8. Tu es einfach. Starte jetzt mit dem ersten Punkt auf deiner Liste. Dann bekommst Du sofort das Gefühl schon etwas getan zu haben. Der Anfang ist getan und der Rest geht leichter von der Hand.
  9. Bleibe am Ball! Der Mensch liebt schnelle Ergebnisse. Aber keiner baut ein Unternehmen innerhalb von ein oder zwei Wochen auf welches dann sofort die ersten Millionen abwirft. Das geht in den meisten Fällen nicht. Deshalb stelle dich darauf ein, dass es länger dauern kann. Ein bis zwei Jahre Minimum. Durchhaltevermögen ist gefragt. Setze dir aber zwischendurch kleine Ziele die du erreichen kannst. Damit hast du immer kleine Erfolgserlebnisse, fühlst dich gut, kannst zu deiner Freundin sagen “Schau, was ich schon alles geschafft habe” und kommst deinem großen Ziel immer näher.
  10. Stelle dir selbst die Frage, was es dir bringt, wenn du es geschafft hast. Träume von einem Leben, wenn der Onlineshop läuft. Und denke mindestens einmal am Tag daran. Entwickle ein Gefühl dafür, wie es sich als erfolgreicher Onlinemarketer anfühlt.

Ich weiß es ist nicht leicht. Ich weiß, dass einige auch sagen werden: “Er spricht sich leicht”. Aber auch ich falle immer wieder zurück. Z.B. wenn ein Projekt nicht so läuft, wie es laufen soll oder sei es einfach nur, weil ich denke, dass die ganze Welt gegen mich arbeitet.

Es gibt so viele Gründe, warum man es nicht schaffen kann. Aber es gibt noch mehr (persönliche) Gründe, warum man es unbedingt schaffen muss!

Ich hoffe, ich konnte dir und anderen Menschen da draußen weiterhelfen. Im Anschluss weitere Tipps zum Thema:

Weitere Buch- und TV-Tipps zu diesem Thema



3 Kommentare

  1. Mensch Flo, da kann ich nur vor Neid erblassen. Deine Artikel werden immer geiler. Hut ab vor Deinem Engagement. Weiter so!

    • Hallo Duke und vieeelen vieelen Dank. Lob tut immer sooo wahnsinnig gut :-)
      Ich gebe mir echt mühe. Dafür entstehen nicht mehr so viele Artikel. In den letzten zwei Monaten waren es gerade einmal jeweils 4 Stück.

      • Also Flo, was ist das denn für eine depressiv klingende Aussage? NUR 4 Artikel in 2 Monaten? Alle 2 Wochen ein großer Artikel? Für mich ist das bereits wahnsinnig dynamisch. Sei mal nicht so selbstkritisch, bleib cool und bleib vor allen Dingen beständig. Wenn Du nur alle 2 Wochen einen wirklich hochwertigen und komplexten Artikel schreibst, behaupte ich frank und frei, das Du so mehr leistest, als 90% der restlichen Blogger.

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