Ist arbeiten von zu Hause unsozial?
http://hangout-lifestyle.de/ist-arbeiten-von-zu-hause-unsozial/ Gepostet von Flo in Arbeiten von zu Hause | 4 Kommentare
Yo. Es geht endlich los. Mit meiner neuen Artikelserie Arbeiten von zu Hause. Im Anfangsartikel habe ich ja schon einige wichtige Fragen gestellt, die ich in dieser Reihe beantworten möchte. Wenn ihr noch Fragen habt oder euren Senf dazu geben möchtet: Scheut euch nicht! In der rechten Seitenleiste (ziemlich weit unten) befindet sich das Frag-Flo-Formular, welches ihr für eure Fragen nutzen könnt ![]()
Jetzt aber stelle ich die Frage:
Ist von zu Hause arbeiten unsozial?
Klar. Ich muss natürlich jetzt “NEIN” sagen, weil ich ja ein leidenschaftlicher Von-Zu-Hause-Arbeiter bin ![]()
Immer mehr Menschen arbeiten daheim
Im Internet habe ich gelesen, dass sich die “Heimarbeit” in den USA schon ziemlich durchgesetzt hat. Was ja auch logisch ist bei den großen Entfernungen. In Europa ist Deutschland mittlerweile Vorreiter in Sachen Telearbeit. Mich verwundert das nicht. Denn das Internet macht es ja erst möglich.
In einem Newsletter (von 2004) fragte Monster.de nach und wollte wissen, ob man denn von zu Hause arbeite. 36% wünschten sich, dass die eigene Firma einen Telearbeitsplatz von zu Hause ermögliche. 20% arbeiteten schon von zu Hause. Ich vermute, dass die Tendenz weiter gestiegen ist. In meinem Bekanntenkreis und auch in der Familie arbeiten einige von zu Hause, erfolgreich versteht sich.
Kontakt zu anderen Menschen
Interessant sind natürlich die Vorwürfe, die man überall hört. Eines davon ist, dass man als Selbständiger, Existenzgründer oder aber als Entrepreneur einfach nur unsozial sein kann, weil der Kontakt zu Menschen fehlt. Dann könnte man sich aber auch gleich die Frage stellen: “Macht das Internet unsozial?”. Immerhin verbringen wir mittlerweile mehr Stunden vor dem eigenen Rechner als vor dem Fernseher. Wir chatten, facebooken, twittern und schauen uns Videos an, deren Sinnhaftigkeit einfach mal dahingestellt sei. Kurzum: Wir befinden uns schon in der Philosophie ![]()
Überarbeitung und Überlebensfähigkeit vermindern soziale Kontakte
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass natürlich der persönliche Kontakt fehlt. Gerade am Anfang der Selbständigkeit. Der Grund ist ganz einfach: Man ist meist alleine im Büro, hat keine Ansprache und man ist total mit sich und dem eigenen Unternehmen beschäftigt. Es stellen sich viele Fragen. Unter anderem:
- Wo bekomme ich Aufträge her?
- Wie viel Geld muss ich verdienen für meinen Lebensunterhalt?
Lebensumstände ändern sich plötzlich
Ganz klar, dass man dann eher weniger an seine sozialen Kompetenzen denkt. Es geht ja immerhin um das eigene Überleben! Jeder, der schon einmal Existenzängste hatte, der weiß das. Vor allem, wenn man sich z.B. direkt nach einer Ausbildung selbständig macht. Das Leben hat sich von heute auf morgen schlagartig geändert.
Stellt euch folgende Situation vor: In der Schule/Berufsschule/als Student war man immer unter Leuten, den Mitschülern. Man hatte vielleicht eine Fahrgemeinschaft oder den berühmten “Banknachbarn” mit dem man so einige Vorlieben teilte. Und plötzlich drückt man keine Schulbank mehr. Der Ernst des Lebens hat begonnen. Genau so war es bei mir. Vom Studenten-Dasein gleich in die Selbständigkeit. Kein Lehrer, keine Mitschüler, nur noch das eigene Überleben zählt.
Vorsicht aber: Hier droht man sofort sozial abzusteigen. Vor allem, wenn man in diesen Momenten nicht mehr auf die eigenen Freunde zurückgreift. Freunde sind ja schließlich dafür da, dass sie zusammenhalten. Auch wenn man mit ihnen nicht mehr “in die Klasse geht” ![]()
Ähnlich ist es bei früheren Angestellten. Man hat eine gewisse Routine in der eigentlichen Arbeit. Man steht morgens auf, geht zur Arbeit, arbeitet, fährt nach Hause. Diese Routine ist plötzlich weg. Auch der kollegiale Umgang ist nicht mehr da. Immerhin ändert man seine Lebensgewohnheiten von heute auf morgen. Das geht nicht immer so leicht. Denn normalerweise braucht ein Mensch mindestens 100 Tage um eine Gewohnheit im Gehirn zu verankern.
Was tun, um nicht unsozial zu werden?
Ich selbst kann nur empfehlen:
- Macht euch – wenn möglich – nicht selbst selbständig
Geht immer eine Partnerschaft mit einem Kumpel oder einer Freundin ein. Wenn ihr das nicht wollt, dann solltet ihr auf alle fälle ein gutes soziales Netz haben. Zum Beispiel den Halt des eigenen Ehemannes oder der Ehefrau oder vielleicht sogar von den eigenen Eltern. Das hilft extrem! - Wenn ihr nach ein paar Wochen/Monaten merkt, dass das Geschäft funktioniert, dann engagiert euch in Vereinen. Wir sind jetzt z.B. zu den Wirtschaftsjunioren gegangen. Das hat uns nicht nur geholfen, neue Kontakte zu knüpfen sondern auch an Aufträge zu kommen.
- Das Internet ist euer Freund. Auch wenn alle sagen, es mache unsozial. Das Internet verbindet Menschen. Alleine durch das Bloggen haben ich sehr viele Menschen kennen gelernt, die ich wahrscheinlich nie kennen gelernt hätte, wenn ich kein Internet gehabt hätte
Wer fährt schon mal vom Bayerischen Wald nach Frankfurt, nach München oder sogar in die Schweiz um Gleichgesinnte zu treffen? Mit Facebook, Twitter und Skype kann ich auch sehr gut austauschen und die Menschen sogar im realen Leben treffen. - Geht auch mal wieder raus! Gerade wenn ihr ein Internet-Business habt. Es gibt noch eine Welt mit frischer Luft, mit Natur und anderen Lebewesen

- Gestaltet euren “Feierabend” bewusst gesellschaftlich. Das heißt: macht einen Tanzkurs oder lernt eine neue Sprache um wieder mehr unter Leute zu gehen.
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Hi Flo,
bin da ganz deiner Meinung. Nicht im Strom mitzuschwimmen ist nicht einfach, kann aber sehr erfüllend sein. Beim allein von zu Hause aus arbeiten kann man sich schon mal einsam vorkommen, das wäre auch komisch, wenn es nicht so wäre.
Aber wie du sagt, in der Zeit in der man in der normalen Firma eine Kaffeepause macht, liest der Entrepreneur Blogs und lernt die dazugehörigen Blogger (teilweise auch persönlich) kennen.
Was hats eigentlich auf sich mit den Wirtschaftsjunioren, was ist das denn genau?
Gruß,
Robert
Servus Robert und danke für deinen Kommentar.
Schau mal auf die Wiki-Seite der Wirtschaftsjunioren. Dort gibt’s sehr viele Infos. Ganz im groben ist es ein Verein für Jungunternehmer. Ich glaub, man darf auch nur bis zu einem bestimmten Alter dabei bleiben. Aber wie gesagt: wir sind selbst erst als “Gäste” aufgenommen. Wir zahlen dafür im Moment auch nichts. Dafür lernen wir jede menge Jungunternehmer kennen. So haben wir z.B. unseren Steuerberater gefunden
Bist Du denn in irgend einem Verein?
Ich denke, wenn man sich an diese Tipps hält ist das Arbeiten zuhause auch okay, aber ich glaube für mich wäre das nichts. Ich hätte dann nicht den Nerv dazu, mich in irgendwelche “sozialen Situationen” zu zwingen – ich bin sehr froh, dass ich täglich auch meine Mitarbeiter um mich rum hab. Vielleicht bedeutet das auch nur, dass ich sozial faul oder so bin…
Was das Leute durch Blogs/Twitter/whatever kennenlernen angeht, stimmt es zwar, dass man sich dann nicht wirklich nach mehr sozialen Kontakten sehnt, aber auf lange Zeit ist das kein Ersatz. Zumindest für mich nicht. Ich hab da schon einige schlechte Erfahrungen gemacht.
Aber generell kann man natürlich nicht sagen, dass das Arbeiten von zuhause unsozial macht – es kommt halt auf den Menschen drauf an. Und darauf, wie viel Zeit man hat um am Wochenende oder nach dem Feierabend noch etwas mit Leuten zu unternehmen. Ich denke mal als Selbstständiger hat man, je nach dem man macht, häufig auch keine Zeit dazu?
Hallo Pia und danke für deinen Kommentar. Hat etwas länger gedauert, aber nun hab ich Zeit gefunden, zu antworten
Ich glaube nicht, dass du gleich “sozial faul” bist, wenn du nicht willst, dass du selbständig wirst. Eher das Gegenteil könnte der Fall sein, wenn du schon schreibst, dass du gerne deine Mitarbeiter um dich rum hast. Ich glaube, dass 90% der Menschen damit sehr glücklich sind.
Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass jeder Selbständige es mag, alleine zu arbeiten. Auch hier wollen und suchen viele Existenzgründer Mitarbeiter vielleicht zur eigenen Selbstmotivation.
Ich bin da vielleicht ein wenig eigen. Ich mag es, wenn kein Chef, kein Mitarbeiter oder sonst wer hinter mir steht. Ich kann meine Arbeit extrem effizient machen und bleibe voll konzentriert. Das konnte ich in meinen diversen Jobs eigentlich nie so wirklich machen. Ich gehe vom Arbeitsplatz weg, wenn ich gerade keinen Sinn mehr in der Arbeit sehe und mal nicht mehr weiter komme. Auf der anderen Seite mag ich es, am Wochenende etwas mit meiner Freundin bzw. unseren Freunden zu tun. Sei es, auch nur im Biergarten zusammen zu sitzen.
Ich glaube, dass jeder, der sich selbständig macht, seinen eigenen Reiz und Sinn darin sieht, wie man damit umgeht.