Für ganz viel Aufsehen hat Apple letzte Woche (wieder einmal) gesorgt. Ich war natürlich als “fanatischer Apple-Anhänger” absolut begeistert. Die Idee, Schulbücher total interaktiv über deren iBooks Software anzubieten ist einfach wie genial. Aber irgendwie sind solche Schritte von Apple gar nicht mal ungewöhnlich und irgendwie logisch, nicht wahr?

Notebooks im Klassenzimmer war auch schon Mist!

Die Bild beschreibt Apple’s Schritt schon als kleine “Bildungsoffensive”. Immerhin glaubte man schon vor 10 Jahren, dass jedes Kind mal nur noch mit Netbook im Klassenzimmer sitz. Ganz so eingetroffen ist es natürlich nicht. Zumindest nicht in ganz Deutschland. Nur vereinzelt gibt es solche interaktive Klassenzimmer. Nach wie vor greift man also auf Stift und Zettel zurück.

Buchpreisbindung in Deutschland

Deutschland ins natürlich ein Regulierungsland. Manchmal gar nicht so schlecht. Aber durch die herrschende Buchpreisbindung ist es natürlich so, dass teilweise nicht mal Schulen selbst einen Nachlass bekommen. Auch nicht, wenn Sie 1000 Bücher auf einmal abnehmen müssen. Diese Bindung greift wohl auch bei eBooks. Denn so mancher hat sich schon gefragt, warum die eBooks nicht günstiger sind als die gedruckten Bücher. Immerhin fallen beispielsweise auch die Druckkosten weg, auch wenn diese in unserer heutigen Zeit lange nicht mehr so hoch sein dürfte, wie früher.

Apple als Innovationsmotor?

Und eigentlich ist es, wie oben erwähnt, gar nicht mal so dumm von Apple hier einzugreifen. Es wurde ein Problem erkannt und jetzt möchte man es möglichst schnell verbreiten. Die erforderlichen Technologien hat man ja schon parat. Das iPad hat sich bewährt und die iBooks Author Software sieht aus wie eine Mischung aus Pages und Keynote. Was machen da andere Unternehmen? Die haben natürlich wieder das Nachsehen, weil sie auf einen solchen Schritt nie gefasst waren.

Dabei wundere mich sowieso immer, wieso das noch keiner erkannt hat. Warum hat nur Apple eine solche Innovationskraft? Ich meine: Handys gibt’s ja auch nicht nur erst ein paar Jahren. Warum musste Apple (vormals lediglich ein Computerhersteller) kommen und den Markt umkrempeln? Warum denken viele Unternehmen einfach nicht mal “beyond the borders”?

Weigerung der Medien- und Buchindustrie

Natürlich kann ich mir vorstellen, dass sich die Buchindustrie in der nächsten Zeit nicht gefallen lassen wird, was Apple da tut. Es wird genauso kommen, wie damals mit MP3s und der Musikindustrie. Aber was erzähl ich da… ihr kennt die Story sicherlich selbst.

Passives Einkommen durch iBooks Author?

Viel wichtiger ist aus Lifestyle-Design Gründen aber: wäre es nicht eine echt gute Methode, hier Geld zu verdienen? Wir alle wünschen uns ja ein Produkt, welches einmal entwickelt wurde und dann immer wieder Geld abwirft.

Nicht wenige Blogger greifen ja schon auf die Macht von eBooks zurück. Oft herrscht aber Uneinigkeit darüber, wie man es am besten an den Mann bringt. Immerhin hat nicht jeder Blogger mehrere zehntausend Besucher im Monat vor der Tür stehen, die herzlich anklopfen wenn man sein erstes eBook als Download zur Verfügung stellt.

Wer jetzt einsteigen will, sollte es tun. Aber dennoch gibt es ein paar Hürden zu bestehen:

1. Massive Kritik an iBooks Lizenzbedingungen

Im gleichnamigen Artikel von Golem kann man sehr gut entnehmen, was sich Apple wieder mal alles rauszunehmen versucht. So dürften die veröffentlichten eBooks nur bei iTunes zum Kauf angeboten werden (irgendwie aber auch logisch, weil eingebettete Videos, 3D-Animationen, etc. wahrscheinlich sonst nirgends funktionieren werden).

2. 30% geht an Apple

Wie auch schon beim Verkauf von Apps für iPhone und Co. gehen auch hier 30% des Verkaufspreises an Apple über. Leider kann ich hierzu  nicht all zu viel sagen. Ich denke aber, dass auf dem herkömmlichen Weg (Ich schreibe ein Buch für einen Verlag) noch weniger verdient ist als über den AppStore. Immerhin bleiben 70% und den Vertrieb kann man sich mehr oder weniger sparen, da Apple schon sehr bekannt ist.

Achja: Auch Amazon erhält übrigens 30 bis 70 Prozent des Verkaufspreises für sich.

3. Weitere Meinungen

Bei PCGamesHardware wird auch darüber diskutiert, welchen Sinn ein iPad als Schulbuchersatz überhaupt haben soll. Dort wird darüber argumentiert, dass der Staat wohl nie mehrere hundert Euro für ein iPad pro Schüler ausgeben würde.

Ich glaube aber persönlich, dass man hier nicht nur an die Schüler denken sollte. Immerhin gibt es auch sehr viele Erwachsene, die (wie z.B. ich selbst) ein normales eBook verkaufen wollen. Kein Schulbuch. Obwohl das wohl sicher auch ein riesengroßer Markt wäre. Keine Frage.

Des weiteren gibt es iBooks Author im Moment nur über den AppStore und natürlich nur für den Mac. Wer also mit Windows arbeitet, hat im Moment noch schlechte Karten. Und wer Apple kennt, der weiß, das das wohl auch so bleiben wird. Schade eigentlich.

Am Bildschirm lernen kommt bestimmt

Egal, wie man sich entscheidet. Das Lernen am Bildschirm kommt bestimmt oder ist teilweise schon Realität. Wenn auch nicht am iPad. Zu meiner Studienzeit lernten wir fast nur noch von den PDF-Dokumenten des Professors. Fast nicht mehr von Büchern. Wäre es da nicht genial, wenn man es sich gleich noch besser merken könnte?

Seit Jahren wissen wir, dass wir mehr behalten, wenn wir etwas sehen, hören und dann auch noch selbst tun (Quelle: Jenseits vom Mittelmaß von Hermann Scherer, Achtung: Sehr empfehlenswertes Buch!)

Wie wir lernen, was wir behalten

Wie wir lernen, was wir behalten

 


2 Kommentare

  1. Hi Flo,

    danke mal wieder für den interessanten Beitrag. Hab gestern am Flughafen einen sehr guten Artikel in der Financial Times Deutschland gelesen. Hier wurde klar und deutlich gesagt, dass die derzeitigen Kosten pro Jahr für einen Schüler keine 15€ übersteigen und dies sich auch nicht ändern wird. Die Zahl spiegelt sich auch in der Qualität der Bücher wieder, wenn ich mich recht entsinne :) .

    Aber man müßte es mal genau nachrechnen…zum Beispiel ein Gymnasium, wo man in der Regel 8-9 Jahre bleibt und jeder Schüler ein Ipad bekommt (länger werden Sie wohl nicht halten :) ) das wären dann ca. 700€ (also für IPad) gegenüber kalkulierten Kosten von 120€.

    Kann sich jetzt jeder seinen Teil zu denken :)

    • Servus Patrick und danke für deinen Kommentar.
      Ja.. ich glaube schon, dass es da zwei Seiten gibt. Demzufolge sind deine Argumente natürlich nicht falsch sondern vollkommen richtig. Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass wir ein total veraltetes Schulsystem haben und wir uns natürlich auch den “neuen Medien” vermehrt zuwenden müssen. Hier in Bayern ist es z.B. so, dass nach wie vor an Gymnasien kein “Maschinenschreiben” angeboten wird. Mittlerweile verbessert sich das zwar, so dass da Zusatzkurse angeboten werden, aber hey… sollte das nicht eigentlich grundsätzlich zu einer Schulausbildung gehören? :-)

      Auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass sich Schüler viel mehr merken können, wenn sie interaktiv sehen, was wie wo funktioniert. Ich wäre wahrscheinlich froh gewesen, hätte ich ein iPad gehabt, welches mir interaktiv gezeigt hätte, wie Netzwerke oder der Menschliche Körper funktioniert :-) Aber naja… das hängt wahrscheinlich auch wieder von der Qualität des “eBooks” ab.

      Wir werden sehen, wohin uns Apple führt :-) Ich bin gespannt.

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