Die 8-Stunden-Lüge! Oder: Zuviel Arbeit macht krank!

Im Artikel Hartz 4 ist scheiße bin ich ja schon näher darauf eingegangen: man kann arbeiten wie man will, irgendwie kommt man doch auf keinen grünen Zweig:

  • Der Elektriker (ich hab übrigens selbst eine Ausbildung dazu gemacht), muss 40 Stunden (oder mehr) pro Wochen arbeiten. Die Arbeit ist hart, ist schwer, macht ab und zu sogar Freude. Meistens aber nicht. Dazu kommt, dass man fast nichts verdient in handwerklichen Berufen.
  • Der Manager. Er arbeitet schon etwas länger: 50 bis 60 Stunden pro Woche. Er hat sehr viel Geld aber wenig Zeit.
  • Der Selbstständige. Um über die Runden kommen zu können, arbeitet er sogar samstags und sonntags! Also selbst und ständig. Von zuhause arbeiten ist auch nicht immer das wahre.
  • Die Hausfrau. Sie arbeitet zu Hause, fast den ganzen Tag. Und dann noch die Kinder… Geld bekommen tut sie keins. Aber das Lächeln ihrer Kinder ist nunmal das Beste!
  • ….

Das könnte man jetzt sehr lange weiterführen. Wie? Sie können sich da nicht einreihen? Super! Warum lesen Sie dann weiter?

Wer sagt, dass man täglich 8 Stunden arbeiten muss?

Viele sagen vielleicht:

  • Mein Chef sagt das!
  • Mein Arbeitsvertrag regelt das!
  • Meine Eltern sagen das!
  • ….

Aha. Und wo haben all diese Personen (oder Verträge) das her? Welcher Idiot hat irgendwann mal behauptet, man müsse 8 Stunden langen Tag arbeiten? Und wenn ich mal eine Minute drüber bin? Ja, dann erhalte ich das als Gutschrift. Ich brauche also nächsten Tag nur noch 7 Stunden und 59 Minuten arbeiten! Klingt schon sehr banal, oder?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin kein Arbeitsverweigerer. Eigentlich ganz das Gegenteil. Ich bin ein Anhänger deren, die Arbeitsabläufe effizienter gestalten können (wollen). Aber dazu später mehr.

Im Grunde ist es so: wir werden so erzogen! Es liegt (auch) an der Erziehung. Das heißt: wir bekommen von unseren Eltern gesagt: mach die Schule fertig, mach einen guten Abschluss, lerne einen Beruf (vielleicht sogar einen, der dir gefällt) und arbeite dein ganzes Leben lang. Der Vater, die Mutter und schon der Opa hat das getan: also musst Du das auch tun!
Und wir glauben das. Natürlich ist es nicht falsch, etwas zu lernen. Aber das sollte etwas sein, was einem Spaß macht. Viele Kinder sind in Englisch absolute Nieten (und ich gehörte dazu – okay, man könnte sich jetzt auch Fragen, ob das nicht auch am Bildungssystem liegt). Aber in Physik sind sie z.B. absolut brillant. Warum fördert das niemand? Warum muss man in der Schule sitzen und das lernen, was einem vorgesetzt wird? Wenn der Lehrer sagt: “tu dies und tu das”, dann müssen wir das tun. Warum? Jedes Kind trägt so viel Kreativität in sich, was nicht gefördert wird. Aber dazu später mehr. [Kreativität 2.0 kommt später]

Nehmen wir an, ich bin ein technischer Zeichner. Ich kann die selbe Arbeit für ein Projekt in – sagen wir mal – 6 Stunden erledigen. Ich arbeite effizienter, vielleicht sogar von zu Hause aus, weil ich da mehr Ruhe habe, als in einem Großraumbüro. Aber Stop! Das geht nicht. Ich muss ja 8 Stunden arbeiten. Naja.. eventuell halte ich noch ein Zwei-Stunden-Schwätzchen mit meinem Kollegen (zwar könnte ich in der Zwischenzeit meine Steuererklärung schreiben und hätte dann am Abend endlich Zeit mein neues Buch zu lesen, aber was solls?) Oder ich arbeite einfach weiter (viele tun das sogar – und ich wette, Sie gehören auch dazu!).

Wenn ich den Gedanken etwas weiter denke, dann würde ich ja auf die komische Idee kommen, dass ich mehr leiste als meine Kollegen. Immerhin beherrsche ich das Computerprogramm tausend mal besser als die Anderen! Ständig fragen mich die Kollegen, rufen mich am Telefon an und halten mich so von der Arbeit ab. Die Kollegen bekommen aber das gleiche Geld wie ich oder vielleicht sogar noch mehr (das weiß man ja nie so genau). Jetzt fühle ich mich gerade verarscht. Irgendwie verdiene ich zu wenig…

Okay… ich frage einfach bei meinem Vorgesetzten um eine Gehaltserhöhung. Meine Arbeit muss ja gewürdigt werden, denke ich.

Stop! Nein, warum tun Sie das? Sie wollen sich doch nicht etwa mit noch mehr Arbeit selbst belohnen? Jetzt befinden Sie sich echt in einer Zwickmühle, stimmts?

Ich bin mir sicher: ihre Eltern, ihre Schwester, ihre Brüder und Verwandten: alle gehen täglich arbeiten. Einer vielleicht 7,5 Stunden, der andere 6, ein anderer wiederum 8. Das kommt ganz auf den Vertrag an. Vielleicht arbeiten Sie mehr? Dann sind sie vermutlich selbstständig oder haben einen “höheren” Job. Manager oder CEO oder so etwas.

Als Manager verdient man schon eine Menge Geld (ich weiß, ich hacke irgendwie immer auf den Managern rum). Ich lasse andere unter mir acht Stunden tägl. unterbezahlt schuften und ich kassiere die Millionen! Haha! Ich hab so viel Geld, ich kann mir alles leisten, alles kaufen und vor allem: für später vorsorgen.

Bestimmt ist es ihnen auch schon passiert: wenn man zu viel arbeitet, bleibt zu Hause sehr viel liegen. Das sind teilweise Dinge, die man nicht mal schnell den Nachbarjungen mach lassen kann (die Steuererklärung zum Beispiel). So manche Sachen verschiebe ich schon mal auf das Wochenende und/oder auf den Urlaub. Sonst häuft sich ja da alles an!

Zurück zum Manager. Wir haben festgestellt, dass er sehr wenig Zeit hat. Wie jeder Manager, hat dieser aber auch Hobbys. Das müssen nicht mal so ausgefallene Sachen sein. Lesen zum Beispiel. Lesen ist zwangsläufig mit Zeit verbunden. Er fährt aber auch schon mal gerne in den Urlaub und sieht sich fremde Städte und Länder an. Auch sehr zeitaufwändig, wenn Sie mich fragen. Vielleicht spielt er sogar gerne Fußball. Oder? Nein. Möglicherweise hat er das schon vor längerem – zwecks Zeitmangel – aufgegeben. All diese Dinge machen ihm zwangsläufig Spaß. Er tut sie ja auch gerne.

Wie wäre es also, wenn er mehr Zeit für seine Hobbys hätte? Wenn er anstatt dreimal im Jahr plötzlich zehnmal fahren könnte. Oder vielleicht bleibt er gleich ein halbes Jahr in Australien, weil’s ihm dort so gefällt? Krasse Vorstellung, nicht wahr? Das funktioniert nicht, denken Sie? Lesen Sie hier weiter: Selbstständig 1.0.

Das Ende…

… dieser Geschichte? Eigentlich ist es zwar noch kein Ende, aber trotzdem wollen wir nochmal sehen, was unser Manager gerade macht:

Mittlerweile ist er ja über 60 Jahre alt, hat immer fleißig gearbeitet und Kohle gemacht. Viel Zeit gehabt hat er nicht. Er wollte schon lange den Segelschein machen und den El Morado besteigen. Aber das geht jetzt nicht mehr. Der Doktor meinte, er müsse seine Gelenke jetzt schonen. Die Arthrose nimmt immer besser zu. Mein Gott: er wäre viel lieber nochmal auf dem Fußballplatz gestanden mit seinen alten Schulfreunden – wenn denn noch welche übrig geblieben wären. Wegen Zeitmangel ist auch sein Freundschaftskreis geschrumpft…

Tja… was macht er jetzt bloß mit dem vielen Geld? Ich freue mich auf Ihre Antworten und Ihren eigenen Lifestyle-Design-Tipps :-)


3 Kommentare

  1. Kapitalmarktexperten.de

    Kauft sich irgendwann einen sehr, sehr teuren Sarg .-)

  2. Dr.Teppich

    Schöner Artikel!

    Tja, das ist leider so, man lebt nicht mehr für sich sondern für die Gesellschaft. Die Hierarchie der Gesellschaft sieht es nunmal so vor, dass der größte Teil für ein paar wenige an der Spitze schuften gehen müssen. Damit die, die ganz oben sind, sich die Taschen vollstopfen können.

    Und wie halten die Leute das aus? Ganz einfach: Die meisten im unteren Teil der “Pyramidenhierarchie” machen das nur um über die Runden zu kommen. Sich das Überleben finanzieren – Sie haben es nicht anders gelernt von ihren Eltern usw. wie oben im Text ja auch beschrieben.

    Der mittlere Teil kann schon mehr leisten, hat vielleicht auch eine höhere Bildung und hofft selber bzw. arbeitet selber darauf hin, eines Tages selbst zu der Spitze der Pyramide zu gehören. Aber wie es so eine Pyramidenspitze an sich hat, ist einfach nicht genug Platz für alle dort! Der Gedanke allein reicht aus, um die Menschen genau dort zu halten wo sie sind…immer mit der Hoffnung: “Vielleicht eines Tages…” Und bevor diese sich versehen, sind sie 60 und haben doch nur in die Taschen der anderen hineingearbeitet.

    Und zur gleichen Zeit sitzen die wenigen an der Spitze und reiben sich täglich die Hände.
    Manchmal Frage ich mich, wie man so eine Gesellschaft ändern oder verbessern könnte.
    Man stelle sich die Gesellschat einfach sinnbildlich als ein Team von 10 Leuten vor:
    6 Leute arbeiten hart und viel
    3 Leute überwachen die Arbeit von den 6 anderen Arbeitern
    1 überwacht die Arbeit der 3, die die Arbeit der anderen 6 überwacht.

    So in etwa stell ich mir das vor.
    Jedenfalls mit dem Gehalt steigt auch immer die Verantwortung. Vielleicht wird die Arbeit die man macht weniger, aber der Stress steigt dafür umso mehr an und die Zeit wird auch weniger.
    Die härteste körperliche Arbeit machen die 6 Leute im Team
    3 Leute sind vielleicht mit Managern zu vergleiche. Sie machen zwar weniger körperliche Arbeit haben aber verdammt viel Verantwortung und daraus resultierenden Stress. Eine Person hat da irgendwie nichts zu tun und auch niemanden der darüber steht

    Naja kurze Gedanken dazu ;-)

  3. Hallo, danke für diese Ideen.

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